WILLKOMMEN IN DER
NEO-EUROPÄISCHEN STADT

Die Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt wird im kommenden Jahr zehn Jahre alt. Sie hat das Primat der Nachhaltigkeit gesamteuropäisch vorgedacht, auf nationaler Ebene verankert und auf lokaler Ebene mit dem Instrument der integrierten Stadtentwicklung umgesetzt. Die Frage, wie eine Charta der integrierten Stadtentwicklung heute und für die Zukunft aussehen sollte, welchen Themen und Inhalte darin enthalten, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollten, nimmt das Projekt „Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft“ zum Ausgangspunkt und entwirft mit den Studierenden aus zwölf teilnehmenden Hochschulen an der Definition einer neo-europäischen Stadt. Wie haben die Metathemen der Charta deutsche bzw. europäische Stadtentwicklungpolitik und -praxis verändert? Was fehlt oder was wird in der Charta nur am Rande erwähnt? Seit der Ratifizierung der Charta sind neue Themen der Stadtentwicklung aufgetreten, wie beispielsweise innovative Mobilitätsformen, IT-Strukturen in der Stadt oder Share Economy Modelle.

Diese und weitere neue Aspekte werden neben den bisherigen Themen der Leipzig Charta von den Studierenden aufgespürt, erforscht und kritisch aus der Sicht angehender Planer und Gestalter weitergedacht. Damit unternimmt das Kooperationsprojekt den Versuch, der Vielfalt einer neo-europäischen Stadt und den Anforderungen an das Weiterschreiben der Charta gerecht zu werden. Im Wintersemester 2016/2017 greifen die unterschiedlichen Hochschulen mit vielfältigen  Lehrveranstaltungen Aspekte der neo-europäischen Stadt auf und vertiefen Ihre Ergebnisse in der gemeinsamen Winterschule vom 05. bis 12. März 2017 an der Universität Kassel. Die Ergebnisse werden vom 12. bis 14. Juni 2017 auf dem 11. Jubiläumskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik „10 Jahre Leipzig-Charta – für eine nachhaltige europäische Stadt“ in Hamburg und auf dem Hochschultag vor Ort in Cottbus präsentiert und mit einer breiten Öffentlichkeit diskutiert.

Die Publikation zum Projekt »Ein Manifest der Generation Y für eine neue Leipzig Charta« kann hier heruntergeladen werden.

Winterschule

Hochschulen

Studierende

Die neo-europäische Stadt
Ausstellung in der Uni-Kassel

Das Präfix neo begegnet uns häufig im eher unschönen Kontext, im Neoliberalismus oder Neonazismus etwa. Dabei besitzt es die hoffnungsvolle Bedeutung von „frisch“ oder „wieder neu“. Genauso positiv möchten angehende Architekten und Stadtplaner aus zwölf Hochschulen nun auch die europäische Stadt besetzen, wenn sie ihr dieses Präfix in einem gemeinsamen Manifest vorsetzen.

In der neo-europäischen Stadt sollen gemäß der Studierenden Werte wie Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Offenheit, Mobilität oder Zusammenhalt gelten. Eine Ausstellung an der Universität Kassel, die das Fachgebiet Städtebau in Kooperation mit dem Institut für Stadt- und Regionalplanung an der TU-Berlin entwickelte, stellt nun, zehn Jahre nach der Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt, eine sechsteilige Erklärung „Die neo-europäische Stadt – Ein Manifest der Generation Y“ der Öffentlichkeit vor.

 

2. Ausstellungseröffnung am 6. Dezember 2017 in Kassel

Die Ergebnisse der Winterschule zur neo-europäischen Stadt, welche bereits erfolgreich auf dem 11. Bundeskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik im Juni 2017 in Hamburg gezeigt wurden,
können zwischen dem 06. bis 13. Dezember 2017 erneut in Kassel dank dem Engagement unserer Kasseler Kollegen (Fachgebiet Städtebau, Prof. Rettich) betrachtet werden.

Veröffentlichung und Präsentation auf dem 11. Bundeskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik in Hamburg

Zentrale Ergebnisse der Winterschule wurden in einer interaktiven Ausstellung großformatig sowie der damit verbundenen Publikation auf dem 11. Bundeskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik am 12. bis 14. Juni 2017 in Hamburg vorgestellt. Sowohl das »Manifest der Generation Y für eine neue Leipzig Charta« als auch fünf Leitsätze für die Zukunft der integrierten Stadtentwicklungspolitik standen dabei im Vordergrund. Studierende der beteiligten Hochschulen führten neben interessierten Fachbesuchern auch Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks durch die Ausstellung zur neo-europäischen Stadt.
Die Ausstellung und Publikation boten ausreichend Anlass, selbstverständlich Geglaubtes in Frage zu stellen und sich mit den Lebenswelten einer neuen Generation auseinanderzusetzen

Ein besonderer Dank gilt unseren Kasseler Kollegen (Prof. Stefan Rettich, Cristina Antonelli) für die eindrucksvolle Umsetzung der Ausstellung und der professionellen Präsentation durch unsere Studierenden.

Die dazugehörige Publikation kann ab sofort auf dem digitalen Repositorium der TU Berlin herunterladen werden:

https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/6327

Photo: Milena Schlösser, Anton Bombach, Lukas Hegele
Auf dem Weg zum Manifest einer neo-europäischen Stadt

Zur Winterschule vom 05. bis 12. März 2017 in Kassel trafen sich Studierende aus zwölf Stadtplanungsfakultäten, um in interdisziplinären Teams die neo-europäische Stadt zu entwerfen. Die Teilnehmenden besuchten bereits im Wintersemester vorbereitende Seminare und Studios, die sich mit den Metathemen der Leipzig Charta und der neo-europäsichen Stadt auseinandersetzten. Auf vielfältige Weise wurden die Themen der Charta einerseits analysiert und andererseits weitere Bausteine für eine innovative und lebenswerte Stadt der Zukunft entwickelt. Derartige Themenbereiche waren zum Beispiel die zukünftige Mobilität, Migration und Armut oder die neue Rolle der Zivilgesellschaft in der Stadtentwicklung, die in der Leipzig Charta nur nachrangig auftauchen. Während der Winterschule erarbeiteten die Teilnehmer ein eigenes „Manifest der neo-europäischen Stadt“, das auf dem 11. Bundeskongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik im Juni in Hamburg vorgestellt wird.

Während der 7-tägigen Winterschule in Kassel wurde das Wissen aus den unterschiedlichen Lehrveranstaltungen des Wintersemesters zusammengeführt und gemeinsam vertieft. Selbstorganisiert und von ihren Dozierenden unterstützt haben die Studierenden in gemischten Teams eigene Thesen zur Weiterentwicklung der Leipzig Charta entwickelt.
Es wurde deutlich, wie sich das Verständnis von nachhaltiger Stadtentwicklung durch die veränderten Lebenswelten der Studierenden weiterentwickelt hat. Der Einsatz neuer Medien und Technologien ist ebenso ein Beispiel dafür wie die Sicht auf den ländlichen Raum. Hier formulierte eine Generation ihre Position, die mit Selbstorganisation aufgewachsen ist und die keine künstlichen Hierarchien akzeptiert.
Die Ergebnisse der Winterschule werden in einer Publikation veröffentlicht und im Rahmen des 11. Bundeskongresses der Nationalen Stadtentwicklungspolitik einer breiteren Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Photo: Anton Bombach
Kick-Off: WINTERSCHULE GEHT IN NEUE RUNDE

Die 12 teilnehmenden Hochschulen trafen sich an der TU Berlin zum Kick-Off der nächsten Runde der Sommer- bzw. Winterschulen. Im Mittelpunkt des Treffens der beteiligten Lehrstühle stand die organisatorische und konzeptionelle Vorbereitung der Winterschule 2017. Die Leipzig Charta wird im zehnten Jahr ihres Bestehens im Mittelpunkt der Lehrveranstaltungen und der gemeinsamen Workshopwoche stehen. Neben der Auseinandersetzung mit den zentralen Punkten der bestehenden Leipzig Charta analysieren die Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2016/17 zudem aktuelle Themen der Stadtentwicklung, die bislang noch keinen Eingang in die Leipzig Charta gefunden haben.

Die Winterschule wird das Wissen aus den Lehrveranstaltungen zusammenführen und vertiefen. Sie findet vom 05. bis 12. März an der Universität Kassel statt. Es ist geplant, die Ergebnisse aus den Lehrveranstaltungen und der Winterschule in einer Publikation zu veröffentlichen und einer breiteren Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zudem werden die unterschiedlichen Ergebnisse – wie zum Beispiel städtebauliche Entwürfe, Politikfeldanalysen, Vor-Ort-Untersuchungen zur neo-europäischen Stadt – auf dem Kongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik in Hamburg präsentiert.

Leipzig Charta revisited

Die Leipzig Charta wurde im Mai 2007 von den für Stadtentwicklung zuständigen Ministerinnen und Ministern aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union anlässlich eines informellen Treffens in Leipzig unterzeichnet. Im Fachdiskurs spielte die Leipzig Charta seither eine eher nachgeordnete Rolle. Dagegen stellte sie im politischen Raum eine wichtige Benchmark für die Etablierung integrierter Stadtentwicklung dar und ist bis heute europaweiter Bezugspunkt politischer Richtlinien und Entscheidungen. Ein wesentlicher Punkt der Charta war die Selbstverpflichtung der Ministerinnen und Minister, in ihrem Mitgliedsstaat eine Initiative zu starten, „wie die Grundsätze und Strategien der Leipzig Charta (…) in nationale, regionale und lokale Entwicklungspolitiken integriert werden können“.

In Deutschland ist daraus die Initiative der Nationalen Stadtentwicklungspolitik hervorgegangen. Das Jubiläum bietet einen guten Anlass sich aus der Perspektive des fachlichen Nachwuchses kritisch mit der Leipzig Charta auseinanderzusetzen, mit dem übergeordneten Ziel, die Ergebnisse der gemeinsamen Reflexion auf dem 11. Kongress der Nationalen Stadtentwicklungspolitik zu präsentieren.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft" will aktuelle Forschungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit den Gedanken angehender Planer und Gestalter an den Universitäten und Hochschulen zusammenbringen.