Universität Kassel

WER KOMMT MIT AUFS LAND? – KOOPERATIVEN ZWISCHEN STADT UND LAND

Gast-Prof. Nanni Grau
Fachgebiet Stadt und Regionalplanung

Neue Entwicklungs- und Transformationsprozesse auf dem Land gehen heute oft von selbstorganisierten Akteursgruppen, Kreativen und anderen Raumpionieren aus, die durch ihr Engagement und ihre Ideen die Umsetzung innovativer Lebensmodelle und Ökonomien vorantreiben. Die Akteure sind gut vernetzt und ihre Ideen entstehen überwiegend aus dem Ideen-, Wissens- und Erfahrungspool der Stadt. Auf dem Land und in der Stadt verfügbare Ressourcen werden von ihnen zu neuen Kreisläufen, Wertschöpfungsketten und hybriden Lebensformen verbunden. Aus dieser Bewegung sind ambitionierte Projekte und Lernlabore entstanden, die in vielfältigen Formen der Selbstorganisation umgesetzt wurden.
In einer Berlin – Brandenburg Exkursion sollen aktuelle Stadtlandkooperationen und -Laboratorien besucht und in Bezug auf ihre räumlichen, sowie organisatorischen Strukturen, Zusammenhänge, entwickelte Kreisläufe und beteiligten Akteure hin untersucht werden, Fragen zu Nutzungen und Strukturen wie in den folgenden Beispielen gestellt und beantwortet werden:
Welche Strategien, Allianzen und Strukturen entwickeln diese Projekte? Welche konkreten Beziehungen zwischen Stadt und Land, regional und lokal wurden hergestellt? Wie konnten die Projekte ermöglicht werden? Wer sind die Akteure und wie haben sie sich aufgestellt? Welche Zusammenhänge zwischen der baulich-räumlichen Struktur der Gebäude und ihrer Organisationsform bestehen? Welche Möglichkeiten der langfristigen Entwicklungsfähigkeit (Veränderbarkeit) haben die einzelnen Projekte? Welche Möglichkeiten der Teilhabe bestehen für Nutzer und Bewohner? Welche Chancen und Potentiale weist der ländliche Raum in diesem Kontext auf?
Das Wissen, das aus den Fragestellungen gewonnen wird, soll die Projektteilnehmer für ein Experiment auf dem Land rüsten, bei dem eigene Ideen für ein temporäres oder langfristiges Leben auf dem Land entwickelt werden sollen.
Das Dorf Pretschen, ein Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide, scheint dafür ein idealer Standort zu sein. Straßendorf mit ca. 320 Einwohnern mit einem historischen Vierseithof, einem dazugehörigen Gutshof, dem größten deutschen Demeterhof, mit einem Gewächshaus auf einer Fläche von ca. 40.000 qm, leerstehenden Arbeiterhäusern, einem ehemaligen Lehrlingswohnheim, lokalem Handwerk, sowie noch unbebauten Expansionsflächen im Ortskern und der Peripherie.
Es soll ein städtebaulich-räumliches sowie inhaltlich-organisatorisches Konzept (Nutzungen/ Raumprogramme und Organisationsstruktur) für den Vierseithof und einen frei wählbaren Ort, der zum Beispiel die erweiterte Community aufnimmt, aufgestellt werden. Vielfältige Beziehungen und Kreisläufe zwischen den Akteuren, Nutzern, lokalen, regionalen Partnern, Berlin etc. sollen entwickelt, Nutzungen definiert und räumlich formuliert werden. Gesucht werden Lösungen, die darüber hinaus dem Anspruch auf Partizipation und Aneignungsmöglichkeiten durch gegenwärtige und zukünftige Nutzer und Bewohner genügen, um eine langfristige Entwicklungsfähigkeit zu ermöglichen.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft" will aktuelle Forschungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit den Gedanken angehender Planer und Gestalter an den Universitäten und Hochschulen zusammenbringen.