Bauhaus-Universität Weimar

GRENZÜBERSCHREITUNGEN – THÜRINGER RANDLAGEN NACH EINER GEBIETSREFORM?

Dipl.-Ing. Arvid Krüger
Fakultät Architektur und Urbanistik, Professur Stadtplanung

Die Funktional-, Verwaltungs- und Gebietsreform verändert weite Teile raumrelevanter Verwaltungsstrukturen. Was sich durch sie rein formal nicht ändert, sind die Ausweisungen zentralörtlicher Funktionen und was damit regionalplanerisch zusammenhängt. Auch die Frage, wie das von der IBA und anderen stetig hervorgehobene Potenzial des StadtLands Thüringen und die damit verbundene hohe Dichte an Kleinstädten durch eine solche Reform gehoben werden kann, wird keinesfalls mit dem Ende der Gebietsreform beantwortet werden können.
Besonders erfurtferne Städte und Regionen wie das Eichsfeld, Nordhausen, Eisenach, Süd- und Ostthüringen fühlen sich in der aktuellen politischen Debatte (Stand: Sommer 2017) als Verlierer der Reform, nachdem Gera und Weimar die Kreisfreiheit zugestanden wurde. Das ist zwar verständlich, überdeckt aber ein Potenzial grenzüberschreitendes Agieren. Die Landkreise, in denen beispielsweise Altenburg und Sonneberg zukünftig sind, werden so groß sein, dass die Ebene des Landkreises nicht mehr die sinnfälligste Ebene grenzüberschreitender Zusammenarbeit ist. Die Gemeinden dagegen werden so strukturiert, dass sie – wenn sie es geschickt anstellen – eigenständige Akteure regionaler Verflechtung sein können.
Das Studienprojekt soll sich nach der Erarbeitung der raumordnerischen und verwaltungsbezogenen Planungen recht zügig den Teilregionen Sonneberg-Coburg, Altenburg-Greiz und gegebenenfalls Suhl-Zella-Mehlis-Meiningen annähern und ein vorläufiges Leitbild der Teilregion in Bezug auf Gemeindestrukturen, Daseinsvorsorge, Arbeitsplatzzentralität und natürlich „Grenzüberschreitungen“ erarbeiten. In einem zweiten Schritt sollen dann die teilräumlichen Leitbildvorstellungen synthetisiert werden, um daraus konzeptionelle Vorstellungen für eine integrierte Landesentwicklungspolitik für erfurtferne Regionen zu erarbeiten, die sektorübergreifend aussagefähig sind.
An das Planungsprojekt sind das selbstbestimmte Projekt „Senior Sequence“ und die Winterschule der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gekoppelt.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft" will aktuelle Forschungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit den Gedanken angehender Planer und Gestalter an den Universitäten und Hochschulen zusammenbringen.