Universität Kassel

STADT OHNE BODEN

Prof. Ariane Röntz, Verena Brehm, Dieter Hennicken
Fachgebiet Städtebau

Aufbauend auf den Fragestellungen des Seminars „Der Boden Fundament der Stadt“ von Prof. Stefan Rettich aus dem SoSe 2018 werden wir uns im Profilprojekt mit der Frage beschäftigen, welche Auswirkungen es bezogen auf die räumliche Gestaltung und Qualität zukünftigen Wohn- und Arbeitsverhältnisse hat, wenn der Boden und der Bodenpreis als nicht vermehrbares Gemeingut begriffen und aus der Spekulation heraus genommen wird und welche Spielräume sich aus den dann freigewordenen (finanziellen) Ressourcen für die Entwicklung einer hochwertigen urbanen Umwelt ergeben. Welche Auswirkungen haben Modelle gemeinschaftlichen Wohnens und Wirtschaftens auf die räumliche Ausgestaltung von Wohnungen, Gebäuden und Freiräumen. Oder wir es in der Ausgabe der Arch+ 232: „An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens“ formuliert wurde: Können neue Raummodelle „den offenen und emanzipatorischen Raum des Wir zurückerobern und neu definieren. Das Projekt fokussiert dabei auf Urban Commons. Darunter wird die Schaffung und Bewirtschaftung materieller und i¬¬mmaterieller kollektiver Ressourcen und Räume als Grundlage demokratischer Teilhabe verstanden. Dies bringt die Wortneuschöpfung commoning beziehungsweise „gemeinschaffen“ zum Ausdruck.

Gemeinschaffen ist ein Prozess der Aushandlung von Unterschieden und Konflikten zwischen Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein Prozess der räumlichen Organisation der Beziehungen zwischen Produktion und Reproduktion, Eigentum und Zugang zu Ressourcen. Ein Prozess, in dem Solidaritätsnetzwerke geknüpft und die individuellen und kollektiven Rechte neu definiert werden. Das Projekt stellt die vorherrschenden sozialen und politischen Strukturen infrage und sucht nach neuen Formen einer kollektiven und dennoch pluralistischen Governance. An Atlas of Commoning entfaltet ein Netzwerk der Ideen für ein solidarisches und emanzipatorisches Gemeinschaffen, welches das Individuum nicht in der Gemeinschaft gleichschaltet, sondern das Einzigartige, das Andersartige und das Besondere zu entscheidenden Qualitäten des Miteinanders macht.“

Die zu bearbeitenden Maßstabsebenen werden sich vom Rahmenplan 1:2.500 bis in die Entwurfsebene Architektur 1:200 | Freiraum 1:200 | Städtebau 1:500 erstrecken.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft" will aktuelle Forschungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit den Gedanken angehender Planer und Gestalter an den Universitäten und Hochschulen zusammenbringen.