FH Erfurt

DIE REBELLISCHE STADT

Prof. Dr. Reinhold Zemke, Stefan Andres
Fachgebiet Planungsrecht und Projektentwicklung

In seinem Buch Rebel Cities (2012) benennt der Stadtgeograph David Harvey ein Themenfeld, das sowohl aktuelle als auch historische Bezüge aufweist. Rebellische Städte sind bezogen auf urbane soziale Bewegungen, die sich gegen herrschende Politik- und Machtstrukturen wenden und Ziele wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität auf ihre Fahnen schreiben. Rebellische Städte versuchen, auf der städtischen Ebene emanzipatorische Akzente zu setzen und treten den allgemeinen neoliberalen Entwicklungstendenzen entgegen. Während als historisches Beispiel für rebellische Städte regelmäßig die Pariser Kommune (1871) und das Rote Wien (1918-1934) genannt werden, sind in den letzten Jahren unter dem Namen Neuer Munizipalismus an vielen verschiedenen Orten der Welt Bewegungen entstanden, die versuchen, eine sozial gerechte und widerspenstige Stadtpolitik durchzusetzen. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel ist die Bewegung Barcelona en Comú, die im Jahre 2015 die Kommunalwahlen in der katalonischen Hauptstadt gewonnen hat und mit Ada Colau eine weit über die Stadtgrenzen bekannt gewordene neue Bürgermeisterin stellt.

Im Wahlpflichtfach möchten wir uns mit dem Phänomen der rebellischen Städte beschäftigen. Was definiert eine rebellische Stadt? In welcher Form wird wo gegen was rebelliert? Welche Erfolge und welche Misserfolge sind zu beobachten? Wie sieht Stadtplanung in einer rebellischen Stadt aus?

Im Wahlpflichtfach wird das Phänomen der Rebellischen Städte in Teams von 2 bis 4 Studierenden untersucht. Im Semester werden Fallstudien zu ausgewählten Städten erarbeitet und die Ergebnisse in einer Präsentation aufbereitet. Die genauen Formate werden im Wahlpflichtfach diskutiert und festgelegt.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft" will aktuelle Forschungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit den Gedanken angehender Planer und Gestalter an den Universitäten und Hochschulen zusammenbringen.