HS Coburg

REBELLISCHE STADT – PROTESTPRAKTIKEN IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Prof. Mario Tvrtkovic
Fachgebiet Städtebau und Entwerfen

Sowohl die kleinen als auch die großen Städte sind Orte des Zusammenlebens mit einer enormen sozialen und kulturellen Vielfalt, Reichtum an Wissen, Öffentlichkeit, Kreativität und Innovationsfähigkeit. Sie sind Lebensraum, sozialer und politischer Raum zugleich. Hier wird regiert und demonstriert, für und gegen eine Sache protestiert und aktivistisch gehandelt. Nirgendwo sonst treffen so viele verschiedene politische Vorstellungen, Lebensentwürfe, Ethnien und soziale Schichten so direkt aufeinander.

Wir gehen der Frage nach, in wieweit die öffentlichen Räume heute noch als politische Räume wahrgenommen werden? Wo und wie bieten sie aktiv eine Plattform für die Rebellion? Zudem wollen wir das Potential der Protestbewegungen, deren Praktiken und die Auswirkungen als Korrektiv für das gesellschaftliche Zusammenleben, Stadtplanung und Gestaltung ergründen und erforschen.

Im Wintersemester 2018 finden hierzu zwei Seminare mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt.

1.Protestpraktiken im öffentlichen Raum

In dem Interdisziplinären Seminar werden wir uns mit dem Protest aus der städtebaulichen, kulturwissenschaftlichen und politischen Sicht nähern. Hier wird die Frage nach den Methoden des gewaltlosen Protestes im urbanen Räumen an sich gestellt. Zu der Methodik zählt, die Recherche in der Tagespresse zu den aktuellen Protestformen, Themen und Orten. Zu dem werden die rechtlichen Bedingungen der Protestkultur untersucht und erläutert. Der Schwerpunkt liegt in der vergleichen Betrachtung der klassischen Protestformen wie Demonstration, Märsche usw. und künstlerischen und urbanen Praktiken wie Graffiti und Street Art, Guerilla Gardening, Urban Knitting, Free Parties usw.

Gemeinsam mit Prof.-Dr. Christian Holtorf. Professor für Wissenschaftsforschung und Wissenschaftskommunikation an der Hochschule Coburg

2. Rebellische Praktiken in den Kleinstädten und Ländlichen Räumen

In dem Seminar lenken wir den Fokus mit Absicht auf die Besonderheiten in der Protestraumpraxis der ländlichen Räume, so wie der Klein- und Mittelstädte.
Uns interessiert die Frage, in wie weit die „urbanen“ rebellischen Praktiken in diesem Räumen überhaupt greifen? Sind die Protestformen im ländlichen Raum anders als in der Stadt? Gibt es dort besondere und spezifische Formen des Protestes? Welche Auswirkungen haben Sie auf die Planung und Gestaltung der Umwelt?

Die Seminare sind Diskussionsplattform und Aktionszentrum zugleich. So gehören neben der Studie der Fallbeispiele, Lesen der Texte und Auswertungen der Tagespresse, als auch die aktivistischen Praktiken zum Repertoire der Veranstaltungen.

Das aus Mitteln der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt "Fachlicher Nachwuchs entwirft Zukunft" will aktuelle Forschungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit den Gedanken angehender Planer und Gestalter an den Universitäten und Hochschulen zusammenbringen.