Bachelor-Auftrags­pro­jekt

Dozentin: Laura Calbet i Elias

Modul: B5
Umfang: 8 SWS / 12 ECTS
Veran­stal­tungstyp: PJ

1. Termin: 19.10.2015
montags 14.00 – 18.00h
Raum: SE-RH 006 (Atelier)


„Protest gegen Neubauten“ (Berliner Abend­blatt 3.4.2015). Seit der Volks­ab­stim­mung um die Rand­be­bauung des Flug­ha­fens Tempelhof sind unzäh­lige Varia­tionen dieser Schlag­zeile in der Berliner Presse zu finden. Denn obwohl die Wohnungs­preise in Berlin seit einigen Jahren merk­lich steigen und einen großen Konsens über die Notwen­dig­keit des Neubaus von Wohnungen zu geben scheint, sind Bauvor­haben häufig umstritten. Anwohner, die ihren Dissens zu Wohnungs­bau­pro­jekten äußern, wird vorge­worfen, sie würden nur ihre Parti­ku­lar­in­ter­essen verfolgen und sich unso­li­da­risch gegen­über Wohnungs­su­chenden verhalten.

Eine detail­lierte Betrach­tung der Wohnungs­bau­tä­tig­keit zeigt dennoch, dass ein Groß­teil der neu errich­teten Wohn­fläche dem hoch­prei­sigen Eigen­tums­sektor ange­hört. Zudem glei­chen die 1000 mit öffent­li­cher Förde­rung neuge­bauten Wohn­ein­heiten pro Jahr bei weitem nicht aus, um die durch­schnitt­lich 5500 jähr­lich aus der Sozi­al­bin­dung fallenden Wohnungen zu kompen­sieren. Demnach stellt sich die Frage, ob Anwoh­ner­pro­teste eine durch Neubau hervor­ge­brachte Entspan­nung des Wohnungs­marktes im Wege stehen oder durch die Befürch­tung einer „Neubau-Gentri­fi­zie­rung“ (Davidson/Lees 2005) erweckt werden. Daraus ergibt sich die Frage, ob es möglich ist, bezahl­baren Wohn­raum zu errichten, der zugleich funk­tional und städ­te­bau­lich dem Bedarf der Anwohner entspricht, ohne Verdrän­gungs­pro­zesse hervor­zu­rufen.

Im Projekt werden zwei Gruppen von Studie­renden gebildet, die sich aus zwei verschie­denen Perspek­tiven der Frage des Wohnungs­neu­baus in Berlin widmen und gegen­seitig ergänzen. Ein Teil der Studie­renden im Projekt soll sich mit Vorhaben öffent­li­cher Wohnungs­bau­ge­sell­schaften ausein­ander setzen und jene damit verbun­denen Anwoh­ner­pro­teste analy­sieren. Zugleich werden sie sich mit den Akteurs­kon­stel­la­tionen im Umfeld des Plan­ge­bietes ausein­ander setzen und ihre Bedarfe und Forde­rungen ermit­teln. Dabei sollen sie als konstruk­tives Korrektiv für die Arbeit der rest­li­chen Studie­renden im Projekt wirken, die die Vorschläge für bezahl­baren Wohnungsbau erar­beiten.

Der Entwurfs­teil des Projektes widmet sich einer inner­städ­ti­schen landes­ei­genen Fläche in Berlin-Schö­ne­berg, welche entspre­chend der gegen­wär­tigen Liegen­schafts- und Wohnungs­bau­po­litik des Landes Berlin für geför­derten Wohn­raum einge­setzt werden soll. Die Studie­renden sollen in ihren Entwürfen mit Bezug­nahme auf tradi­tio­nelle aber auch alter­na­tive Stra­te­gien des sozialen Wohnungs­baus Möglich­keiten für bezahl­bares Wohnen erkunden.

Bei den Studie­renden des entwer­fe­ri­schen Teils des Projektes werden Grund­la­gen­kennt­nisse des Entwer­fens, der Plan­dar­stel­lung, des Modell­baus, etc. voraus­ge­setzt. Bei den Studie­renden, welche die Gründe der Anwoh­ner­pro­teste analy­sieren, sind Grund­kennt­nisse sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Stadt­for­schung wichtig.

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