Antje Lehn
Atlas unsicht­barer Räume – Stadt­bilder kartieren an der Schnitt­stelle Schule und Stadt

Antje Lehn

Erst­be­treuerin

Prof. Dr. Angela Million

FG Städ­tebau und Sied­lungs­wesen
TU Berlin

Zweit­be­treuerin

Prof. Dr. Ange­lika Schnell

Institut für Kunst und Archi­tektur
Akademie der bildenden Künste Wien

Stadt­bilder und städ­ti­sche Räume werden heute als dyna­mi­sche Konstruk­tionen gesehen, die von den Nutzer_​innen im Alltag immer neu entworfen werden. Die Vorstel­lungen lokaler Akteure sind bei Planungs­ent­schei­dungen in der Stadt­teil­pla­nung von wach­sender Bedeu­tung. Auch die Raum­vor­stel­lungen von Jugend­li­chen werden in diesem Zusam­men­hang vermehrt wissen­schaft­lich unter­sucht, aller­dings finden Stadt­bilder und ihre Konstruk­tionen im Bildungs­pro­gramm der Schulen selbst bisher kaum Beach­tung. Während die rela­tio­nale Raum­vor­stel­lung bereits wissen­schaft­li­cher Konsens ist, domi­nieren in der schu­li­schen Praxis noch abso­lu­tis­ti­sche Raum­kon­zepte. Die in der Schule vermit­telte homo­gene Raum­vor­stel­lung wird den unter dem Einfluss von Mobi­lität und Medien von Jugend­li­chen frag­men­tiert erlebten Räumen nicht gerecht. Das Disser­ta­ti­ons­vor­haben widmet sich dieser Proble­matik, indem künst­le­ri­sche Darstel­lungs­me­thoden dazu genutzt werden, mit Schüler_​innen kogni­tive Karten­bilder der Schul­um­ge­bung zu entwerfen, die dann mithilfe einer karto­gra­fi­schen Syste­matik analy­siert werden. Ziel ist es, daraus Methoden für Kommunikations‑, Lern- und Planungs­pro­zesse an der Schnitt­stelle Schule und Stadt zu entwi­ckeln und Einsicht in die Raum­vor­stel­lungen der Jugend­li­chen zu gewinnen.

Metho­disch orien­tiert sich die Arbeit an der Studie „Das Bild der Stadt“ von Kevin Lynch. Kogni­tive Karten und Inter­views werden als Ausgangs­punkt genutzt und für die Ziel­gruppe der Jugend­li­chen in Bezug auf das Schul­um­feld weiter­ent­wi­ckelt. Dabei wird der Forschungs­ge­gen­stand aus drei wissen­schaft­li­chen Perspek­tiven bear­beitet: pädago­gi­sche Räume, subjek­tive Raum­wahr­neh­mung sowie kriti­sche Karto­grafie. In Bildungs­set­tings wird empi­risch unter­sucht, wie insbe­son­dere hand­ge­zeich­nete Karten als infor­melle Medien der Vermitt­lung dienen können, um Schüler_​innen über ihr (Nicht-)Wissen zur Schul­um­ge­bung zu befragen.

Das Disser­ta­ti­ons­vor­haben baut auf einer im Schul­kon­text erprobten Praxis auf. Das Inter­esse liegt dabei zunächst in der Ausar­bei­tung der Methoden der Vermitt­lung selbst. Die kollek­tiven Kartie­rungs­pro­zesse sollen weiter­ent­wi­ckelt und an verschie­denen Schul­stand­orten in Wien in verglei­chenden Feld­stu­dien umge­setzt werden. Darüber hinaus soll das Projekt auch dazu dienen das Poten­zial der Bilder der Schul­um­ge­bung aus der Perspek­tive von Jugend­li­chen für Planungs­ent­schei­dungen im jewei­ligen Stadt­teil und der Schule aufzu­de­cken.

1. Einlei­tung

1.1 Thema und Proble­matik

Das Konzept „Atlas unsicht­barer Räume“ entstand 2014 aus der Einrei­chung für ein Forschungs­pro­jekt. In diesem sollte die städ­ti­sche Umge­bung einer Wiener Schule durch ihre Schüler_​innen karto­gra­phisch beschrieben werden. Das Projekt konnte dann im Laufe eines Jahres in mehreren Work­shops mit verschie­denen Klassen und Lehrer_​innen im Unter­richt umge­setzt werden.

Zunächst stellten Schüler_​innen skiz­zen­hafte Karten ihrer alltäg­li­chen Schul­wegen mit den wich­tigsten Orien­tie­rungs­punkten her. Danach konnten die Schüler_​innen, ange­regt durch vermitt­le­risch beglei­tete Exkur­sionen und Recher­chen ihre Erfah­rungs­räume in diesem Gebiet erwei­tern. Die Jugend­li­chen testeten karto­gra­fi­sche Methoden zur Darstel­lung ihrer stadt­räum­li­chen Wahr­neh­mungen. Dabei wurden künst­le­ri­sche Methoden wie Zeich­nung, Foto­grafie, Collage aber auch diskur­sive Elemente wie Grup­pen­ar­beit, Präsen­ta­tion und Instal­la­tion verwendet, um physi­sche Räume, Atmo­sphären, Erin­ne­rungen und Emotionen in karten­ähn­li­chen Bildern darzu­stellen.

Mein Forschungs­in­ter­esse baut auf dieser im Schul­kon­text erprobten Praxis auf. Dabei geht es sowohl um karto­gra­phi­sche Methoden, die die kogni­tiven Karten von Jugend­li­chen sichtbar machen, als auch um die Poten­ziale dieser karto­gra­phi­schen Darstel­lungen der Schul­um­ge­bung (aus der Perspek­tive von Jugend­li­chen). Auf Grund­lage der konkreten Erfah­rungen mit diesen Vermitt­lungs­pro­zessen an der Schnitt­stelle Schule und Stadt sollen diese Methoden an weiteren Schul­stand­orten in Wien als Feld­stu­dien umge­setzt und das empi­ri­sche Mate­rial analy­siert und vergli­chen werden.

 

1.3. Forschungs­fragen und Hypo­these

Diese Arbeit widmet sich der Unter­su­chung der Schul­um­ge­bung als Ort, an dem die räum­li­chen Vorstel­lungen von Jugend­li­chen geprägt werden. Dabei stellt sich die Frage, was der Stel­len­wert der verschie­denen Orte im Schul­um­feld im Verhältnis zur Schule als gemein­samem Bildungsort ist? Wie bildet sich die Schul­um­ge­bung in kogni­tiven Karten und Stadt­bil­dern der Schüler_​innen ab? Kogni­tive Karten werden als Methoden der Veror­tung und Werk­zeugen räum­li­chen Lernens für Jugend­liche unter­sucht. Dabei liegt der Fokus auf hand­ge­zeich­neten Karten als Methoden der Vermitt­lung, um über räum­liche Rela­tionen, Brüche und Fiktionen in der Schul­um­ge­bung zu spre­chen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, kogni­tive Karten­bilder der Schüler_​innen zur Schul­um­ge­bung zu analy­sieren und daraus karto­gra­phi­sche Methoden für Kommunikations‑, Lern- und Planungs­pro­zesse an der Schnitt­stelle Schule und Stadt zu entwi­ckeln.

Mit der Hypo­these, dass kogni­tive Karten­bilder und kollektiv erar­bei­tete karto­gra­fi­sche Stadt­bilder, geeig­nete Mittel sind, um die Raum­wahr­neh­mung von Schüler_​innen darzu­stellen und diese für stadt­räum­liche Bezie­hungen in der Schul­um­ge­bung zu sensi­bi­li­sieren, werden Feld­stu­dien an mehreren Schul­stand­orten in Wien unter­nommen. Zusätz­lich soll ein rela­tio­naler Atlas der Schul­um­ge­bung auf Basis der Kartie­rungen der Jugend­li­chen erstellt werden.

2. Stand der Forschung/​Forschungsbedarf

2.1. Die Schul­um­ge­bung als Ort räum­li­cher Bildung

Wenn man mit Martina Löw davon ausgeht, dass Raum­vor­stel­lungen in Sozia­li­sie­rungs- und Bildungs­pro­zessen entwi­ckelt werden (Löw 2001, S.265) wird deut­lich, wie prägend die alltäg­li­chen Räume der Schul­um­ge­bung für die Stadt­bilder junger Menschen sein können, zumal der stei­gende Anteil an Ganz­tags­schulen Schüler_​innen in Städten immer mehr Zeit im Schul­um­feld verbringen lässt. Es stellt sich die Frage, in wieweit die direkte Umge­bung der Schule bisher als Raum für räum­liche Bildungs­pro­zesse erkannt wurde und welche Methoden sich dafür eignen, sie als solchen zu nutzen. Dabei stehen als Orte des alltäg­li­chen Handelns der Jugend­li­chen häufig margi­na­li­sierte Orte, so genannte Nicht-Orte (Augé 1994) im Fokus der Darstel­lung. Die Bedeu­tung dieser Orte in der Schul­um­ge­bung ist zu unter­su­chen.

Methoden
Die Schul­um­ge­bung wird in einem engeren Umkreis im Radius von 250–300m abge­grenzt, zusätz­lich gibt es das erwei­terte Umfeld mit 500m Radius. Kartie­rung der Schul­um­ge­bung aus Perspek­tive der Schüler_​innen mit gleich­zei­tigem Anstossen eines Bildungs­pro­zesses zu eben diesem Raum. Analyse der Schul­um­ge­bung aus anderen Perspek­tiven: durch Inter­views mit bzw Kartie­rungen von Expert_​innen, Lehrer_​innen, benach­barte Schulen, Akteuren im Gebiet.

Fragen

  • Welche Orte sind beson­ders attraktiv, proble­ma­tisch, ambi­va­lent?
  • Welche Rolle spielen Konsum, Treff­punkte, Schul­wege, Gegen­öf­fent­lich­keit?
  • Welche orts­spe­zi­fi­schen Themen eignen sich für räum­liche Bildungs­pro­zesse?
  • Welche Abwei­chungen, Span­nungs­felder und Diffe­renzen gibt es in Bezug auf das offi­zi­elle Stadtbild/​Image von Wien?

Ziel
Anhand von Fall­stu­dien an vier (bis sechs) Schul­stand­orten sollen verschie­dene Schul­um­ge­bungen in Wien vergli­chen werden. Die gewählten Schulen befinden sich in peri­pheren Lagen jeweils paar­weise an benach­barten Stand­orten. Zwei unter­schied­liche Schul­formen, teil­weise mit bildungs­be­nach­tei­ligten Schüler_​innengruppen, insbe­son­dere die Alters­gruppe zwischen 11–17 Jahren stehen in Fokus. Ein Gymna­sium und eine Mittel­schule im Grün­der­zeit­be­zirk in Rudolfs­heim-Fünf­haus, eine Mittel­schule und ein Gymna­sium im Stadt­er­wei­te­rungs­ge­biet in Wien Donau­stadt wurden bereits ausge­wählt, weitere Schulen sind noch offen. Kontext­ab­hängig werden Anknüp­fungs­mög­lich­keiten zu aktu­ellen kommu­nal­po­li­ti­sche Akti­vi­täten zum Thema Bildungs­land­schaften in Wien unter­sucht: Science Center Network, Bildungs­land­schaften in Bewe­gung, Bildungs­grätzl, Betei­li­gungs­pro­zesse der Gebiets­be­treuung.

Refe­renzen

  • Raum­so­zio­logie, Martina Löw, 2001
  • Stadt­surfer, Quar­tier­fans + Co: Räum­liche Hand­lungs­muster von Jugend­li­chen, Studio Urbane Land­schaften, 2009
  • Gebaute Bildungs­land­schaften. Verflech­tungen zwischen Pädagogik und Stadt­pla­nung, A. Million / T. Coelen / A. J. Hein­rich / C. Loth / I. Somborski, 2017
  • Urbanes Räumen, Pädago­gi­sche Perspek­tiven auf die Raum­an­eig­nung Jugend­li­cher, Romy Hofmann, 2015

 

2.2. Kogni­tive Karten und Stadt­bilder

Zur Darstel­lung von stadt­räum­li­chem Wissen und Nicht­wissen Jugend­li­cher in Bezug auf die Schul­um­ge­bung baut diese Arbeit metho­disch auf der Studie von Kevin Lynch „Das Bilder der Stadt“ auf. Die histo­ri­schen Frage­stel­lungen, bei denen kogni­tive Karten, Foto­gra­fien und Inter­views kombi­niert wurden, dienen als Ausgangs­punkt und werden spezi­fisch für die Ziel­gruppe Jugend­liche als Akteur_​innen im städ­ti­schen Schul­um­feld weiter­ent­wi­ckelt.

Methoden
Schul­we­ge­karte: Die Schüler_​innen bekommen als erstes die Aufgabe ihre Schul­wege als Hand­lungs­an­wei­sung für einen Orts­fremden zu zeichnen. Die Schul­wege werden gegen­seitig erklärt und ausge­stellt. In der Nach­be­ar­bei­tung werden die Schul­we­ge­zeich­nungen in ein geogra­phisch normierte Karte über­tragen und zu einem kollek­tiven Bild über­la­gert.

Inter­view: Schüler_​innenzentierte Umfor­mu­lie­rung der Inter­view-Fragen von Lynch. Hinter­fra­gung des Stadt­bildes der Jugend­li­chen in Bezug auf die Schul­um­ge­bung und das soge­nannte Stadt­zen­trum.

Themen­karte und Welt­karte: Schüler_​innen machen Erkun­dungen zu thema­ti­schen Schwer­punkten und erstellen Themen­karten. Die einzelnen Ergeb­nisse werden in eine kollek­tive Karte über­tragen und zu einer „Welt­karte“ der Schul­um­ge­bung zusam­men­ge­fügt.

Wissens­transfer: Die Sicht­bar­ma­chung indi­vi­du­eller und kollek­tiver kogni­tiver Karten und Stadt­bilder im Rahmen von „Wissens­trans­fer­kon­fe­renzen“ und Ausstel­lungen, sowie Inter­ak­tionen mit schulex­ternen Akteuren aus dem Gebiet ermög­licht Austausch und Verhand­lung von Stadtbildern4 zwischen den Schüler_​innen und nach Außen.

Hypo­these: Frederik Jameson sieht in kogni­tiven Karten als Reprä­sen­ta­tion von Erfah­rung eman­zi­pa­to­ri­sche Werk­zeuge im Sinne von struk­tu­rellen Gebilden, die die Welt erklärbar und damit hand­habbar machen können (Jameson, 1986). Wenn kogni­tive Karten (Stadt­bilder) und räum­li­ches Handeln der Jugend­li­chen in Karten sichtbar gemacht und wert­schät­zend disku­tiert wird, entsteht ein „Umgang mit dem Raum“ (de Certeau 1988, s.216) und somit Raum­kom­pe­tenz. Subjek­tives Karto­gra­phieren als Bildungs­pro­zess.

Refe­renzen

  • Das Bild der Stadt, Kevin Lynch, 1965
  • Kogni­tive Karten: die Welt in unseren Köpfen, Roger M. Downs, David Stea, 1982
  • Stadt­bild, Wahr­neh­mung, Design: Kevin Lynch revi­sited, Jörg Seifert, 2011
  • Post­mo­derne. Zur Logik
  • der Kultur im Spät­ka­pi­ta­lismus, Fredric Jameson, 1986

 

2.3. Hand­ge­zeich­nete Karten und Vermitt­lung

Es wird im Rahmen von Unter­richt­sze­na­rien empi­risch unter­sucht, wie hand­ge­zeich­nete Karten als Medien der Vermitt­lung dienen können, um über Atmo­sphären, Brüche und räum­liche Fiktionen städ­ti­scher Räume zu spre­chen. Karten mit „Unschärfen und weißen Flecken“ haben Poten­zial für räum­liche Bildung für Jugend­li­chen, weil diese frag­men­ta­ri­schen Bilder ihren frag­men­ta­ri­schen Raum­er­fah­rungen entspre­chen und Raum für Aneig­nung bieten. Wie können die raum­kon­sti­tu­ie­renden Zusam­men­hänge von Handeln im Raum und räum­li­cher Reprä­sen­ta­tion von Orten mit Hilfe von narra­tiven Karten für räum­liche Bildung zugäng­lich gemacht werden?

Arbeits­me­thoden
Analyse von fiktiven/​narrativen Karten­ele­menten der „Reise­be­richte“, Unschärfen und weissen Flecken (nach Andrea Sick), Stadt­ex­pe­di­tion, Dérive, Gefühle Zeichnen, kollek­tives Karto­gra­fieren, Lingu­istic Land­ca­ping, Geschichte und Geschichte(n).

Analyse des Mate­rials der Feld­stu­dien
Das Schü­le­rinnen-Wissen zur Schul­um­ge­bung aus den „Themen­karten“ und „Welt­karten“ wird im Rahmen von Vermitt­lungs­pro­jekten gesam­melt und dann von der Autorin in verschie­dene Reprä­sen­ta­ti­ons­formen über­tragen. Einer­seits findet die Über­tra­gung in normierte GIS-Karten statt, um Vergleich­bar­keit herzu­stellen und quan­ti­ta­tive Auswer­tungs­ebenen zu testen. Ande­rer­seits wird mit hand­ge­zeich­neten Karten expe­ri­men­tiert um Zwischen­töne, Redun­danzen und Auslas­sungen der Origi­nale besser zu über­tragen. Diese „Metakarten“ sollen die kollek­tive Ebene der kogni­tiven Karten zusam­men­fügen und Wider­sprüche und Brüche der stadt­räum­liche Narra­tive der Schüler_​innen sichtbar machen.

Refe­renzen

  • Spuren­suche als alter­na­tive Daten­samm­lung und Kriti­sche Karten als eman­zi­pa­to­ri­sches Projekt. Methoden des kollek­tiven Kartie­rens und parti­zi­pa­tive Elemente der Karto­grafie unter­su­chen. Suche nach Methoden der Reprä­sen­ta­tion inho­mo­gener Raum­bilder.
  • Das Prinzip Atlas als Samm­lung von Berichten im Sinne einer „Dichten Beschrei­bung“.
  • Spuren und Spuren­leser: zur Theorie und Ästhetik des Spuren­le­sens in der Vege­ta­tion und anderswo, Gerhard Hard, 1995
  • Karten­muster. Bilder und Wissen­schaft in der Karto­grafie, Andrea Sick, 2003
  • An Atlas of Radical Carto­graphy. Bhagat, Alexis; Mogel Lize (Hg); Paglen Trevor (Ill), 2008.

 

2.4. Forschungs­lü­cken

Der Einfluß der Schul­um­ge­bung im Sinne von „Bildungs­land­schaft“ als Schnitt­stelle zwischen Stadt­ent­wick­lungs- und Bildungs­po­litik wurde im deutsch­spra­chigen Raum bereits disku­tiert. Was fehlt, ist eine Analyse der Schul­um­ge­bung aus Perspek­tive der Schüler_​innen mit gleich­zei­tigem Anstossen eines Bildungs­pro­zesses zu eben diesem Raum.

Der inno­va­tive Aspekt dieser Arbeit liegt in der künst­le­ri­schen Erschlie­ßung von künst­le­ri­schen Karten/​Mappings als Kommu­ni­ka­ti­ons­werk­zeuge für räum­liche Bildung im Schul- und Planungs­kon­text, sowie in der inter­dis­zi­pli­nären Verknüp­fung der Forschungs­felder Kriti­sche Karto­grafie, Visu­elle Geogra­phien, Archi­tek­tur­ver­mitt­lung.

3. Methodik

  • Empi­ri­sches Karten-Mate­rial aus Vermitt­lungs­pro­jekten mit Schüler_​innen
  • Vermitt­lungs­me­thoden für räum­liche Bildung
  • Inter­views mit Schüler_​innen, Lehrer_​innen und lokalen Akteuren
  • Atlas: Verglei­chende Darstel­lung verschie­dener Schul­um­felder in Wien
    • Analy­se­me­thoden der Karten und Syste­matik, Metakarten digital und analog
    • Analy­se­mög­lich­keit nach „Five elements of mental maps“ Lynch testen
    • Defi­ni­tion: was ist die Schul­um­ge­bung? Abgren­zung: wie groß ist das Gebiet?
    • Themen­karten, Detail­karten
    • Unter­schiede Schul­typen, Lage, Umfeld, Alter der Schüler_​innen
    • Über­la­ge­rung „Expert_​innenwissen und Laien wissen“

4. Aufbau der Arbeit

  1. Kapitel Forschungs­an­lass
  2. Kapitel Theo­re­ti­sche Grund­lagen
    1. Schul­um­ge­bung und räum­liche Hand­lungs­muster Jugend­li­cher
    2. Kogni­tive Karten, Raum­wahr­neh­mung und Stadt­bilder
    3. Karten als Werk­zeuge der Kommu­ni­ka­tion für räum­liche Bildung
      1. Exkurs: Kriti­sche und kollek­tive Karto­gra­fien
      2. Exkurs: Unschärfen und Weisse Flecken auf Karten
      3. Hand­ge­zeich­nete Karten und Vermitt­lung
  3. Kapitel Methodik
    1. Karto­gra­fi­sche Vermitt­lung in der Schule
      1. Schul­we­ge­karten: Aufgabe, Umset­zung, Vergleich
      2. Spuren­suche Stadt­ex­pe­di­tion: Wahrnehmen/​Notieren, Zeichnen/​Übersetzen, Kartieren/​Verhandeln, Austauschen/​Vermitteln
      3. Themen­karten – posi­tive und nega­tive Orte:Treffpunkte, Atmo­sphären, Geschichte(n), Emotionen, Mehr­spra­chig­keit, Frei­räume
    2. Inter­view und Stadt­raum-Skizzen. Diffe­renzen zu Kevin Lynch
    3. Kollek­tives Kartieren und ergeb­nis­of­fenes Arbeiten im Schul­kon­text
  4. Kapitel Fall­stu­dien und Ergeb­nisse
    1. Fall­stu­dien an vier Stand­orten in Wien:
      1. BRgOrG 15 Henri­et­ten­platz, 1150 Wien
      2. NMS Kauer­gasse, 1150 Wien
      3. MMS Eiben­gasse, 1220 Wien
      4. GRg 22 Heusta­del­gasse, 1220 Wien
    2. Atlas unsicht­barer Räume. Metakarten auf Basis der Schüler_​innenkarten
  5. Kapitel Zusam­men­fas­sung und Diskus­sion
    1. Zusam­men­fas­sung
    2. Diskus­sion
    3. Ausblick

5. Zeit- und Arbeits­plan

5.1. Vorar­beiten

2014–2015Fall­studie Henri­et­ten­platz
2016Bilder der Stadt kartieren (Seminar+Ausstellungsbeitrag Wien Museum, Wien)
2017

Unschärfen und weiße Flecken. Karto­gra­phi­sche Annä­he­rung an urbane Räume  (Ausstel­lung kunst­haus muerz, Mürz­zu­schlag)

ICE publi­shing: Atlas of Invi­sible Spaces: mapping in school envi­ron­ments (Artikel)

2017–2018Fall­studie MMS Eiben­gasse Teil 1 (Seminar IKL)
2018Seminar Mappings: Fünf Schul­um­ge­bungen am West­gürtel

 
 

5.2. Zeit­plan Disser­ta­tion

Mai 2018Exposé einrei­chen
Sommer 2018Karto­gra­phi­sche Analysen
Herbst 2018Fall­studie MMS Eiben­gasse Teil 2 (Seminar IKL)
Fall­studie Heustadl­gasse+ MMS Eiben­gasse (Projekt Bildungs­grätzl)
Früh­jahr 2019Lite­ra­tur­re­cherche + Stand der Forschung
Sommer 2019Karto­gra­phi­sche Analysen
Kapitel Kogni­tive Karten
Herbst 2019Fall­studie NMS Kauer­gasse (Seminar IKL)
Expert_​inneninterviews zur Schul­um­ge­bung
Winter 2019Kapitel Schul­um­ge­bung
Früh­jahr 2020Kapitel Karten als Werk­zeuge der Kommu­ni­ka­tion
Sommer 2020Kapitel Methodik
Herbst 2020Fall­studie Heustadl­gasse Teil 2?
Winter 2020Auswer­tungen
Atlas Syste­matik + Atlas Karten
Früh­jahr 2021Atlas Karten erstellen
Sommer 2021Zusam­men­fas­sung
Herbst 2021Abschluss

6. Lite­ratur

  • Bhagat, Alexis; Mogel Lize (Hg); Paglen Trevor (Ill): An Atlas of Radical Carto­graphy. Los Angeles 2008.
  • Casey, Edward: Orts­be­schrei­bungen, Land­schafts­ma­lerei und Karto­gra­phie. Fink Verlag, München. 2006.
  • Certeau, Michel de: Kunst des Handelns. Berlin 1988.
  • Coelen, Thomas; Hein­rich, Anna Juliane; Million, Angela (Hg.): Stadt­bau­stein Bildung. Wies­baden 2015.
  • Daum, Egbert: Subjek­tives Karto­gra­phieren. URL: http://​www​.sozi​al​raum​.de/​s​u​b​j​e​k​t​i​v​e​s​-​k​a​r​t​o​g​r​a​p​h​i​e​r​en.php [05.01.2014]
  • Hard, Gerhard: Spuren und Spuren­leser: zur Theorie und Ästhetik des Spuren­le­sens in der Vege­ta­tion und anderswo. (Osna­brü­cker Studien zur Geogra­phie, Bd. 16). Osna­brück 1995.
  • Hofmann, Romy: Urbanes Räumen. Pädago­gi­sche Perspek­tiven auf die Raum­an­eig­nung Jugend­li­cher. (Sozial- und Kultur­geo­grafie, Bd. 6). Biele­feld 2015.
  • Hofman, Susanne: Atmo­sphäre als parti­zi­pa­tive Entwurfs­stra­tegie. (Disser­ta­tion TU Berlin). Berlin 2013. URL: http://​opus4​.kobv​.de/​o​p​u​s​4​-​t​u​b​e​r​l​i​n​/​f​r​o​n​t​d​o​o​r​/​i​n​d​e​x​/​i​n​d​e​x​/​d​o​c​I​d/1049 [16.01.2014]
  • Löw, Martina: Raum­so­zio­logie. Frankfurt/​Main 2001.
  • Lynch, Kevin: Das Bild der Stadt. Basel 1965/2007.
  • Schlott­mann, Antje; Miggl­brink, Judith (Hg.): Visu­elle Geogra­phien. Zur Produk­tion, Aneig­nung und Vermitt­lung von Raum­Bil­dern. Biele­feld 2015.
  • Schrö­teler-von Brandt, Hilde­gard; Coelen, Thomas; Zeising, Andreas et al. (Hg.) Raum für Bildung. Ästhetik und Archi­tektur von Lern- und Lebens­orten. Biele­feld 2012.
  • Seifert Jörg: Stadt­bild, Wahr­neh­mung, Design. Kevin Lynch revi­sited. Basel 2011.
  • Seggern, Hille von; Schmidt, Anke; Detten, Börries von, et al: Stadt­surfer, Quar­tier­fans & Co – Stadt­kon­struk­tion Jugend­li­cher und das Netz urbaner öffent­li­cher Räume. Wüstenrot Stif­tung (Hg). Berlin 2009.
  • Serres, Michel: Atlas. Berlin 2005.
  • Sick Andrea: Karten­muster. Bilder und Wissen­schaft in der Karto­grafie. (Disser­ta­tion, Fach­be­reich Sprach­wis­sen­schaften der Univer­sität Hamburg). Hamburg 2003. URL: http://​ediss​.sub​.uni​-hamburg​.de/​v​o​l​l​t​e​x​t​e​/​2​0​0​4​/​1​1​7​9​/​p​d​f​/​d​i​s​s​e​r​t​a​t​i​on.pdf [18.11.2014]
  • Stadt Wien MA17: Wien 2016. URL: https://​www​.wien​.gv​.at/​m​e​n​s​c​h​e​n​/​i​n​t​e​g​r​a​t​i​o​n​/​g​r​u​n​d​l​a​g​e​n​/​d​a​t​e​n.html [01.02.2016]
  • Stadt Wien MA23: Wien 2016. URL: https://​www​.wien​.gv​.at/​s​t​a​t​i​s​t​i​k​/​a​r​b​e​i​t​s​m​a​r​k​t​/​t​a​b​e​l​l​e​n​/​e​i​n​k​o​m​m​e​n​-​g​e​s​a​m​t​-​b​e​z.html [01.02.2016]
  • Yildiz, Erol: Stadt ist Migra­tion. Urbane Alltags­praxen als Ausgangs­punkte für Bildungs­pro­zesse. Wien 2016. URL: http://www.trafo‑k.at/_media/download/Zwischenraeume_4_Erol-Yildiz.pdf [16.06.2019]

Standort

© 2019 FG Städtebau und Siedlungswesen